
Garnspinnerei
Die Garnspinnerei ist der Prozess, bei dem Fasern zu Garn verarbeitet werden – vom Rohbaumwollballen bis zum fertigen Garnkegel. Dazu gehören Öffnen, Kardieren, Strecken, Vorgarnherstellung und Spinnen. Unterschiedliche Spinnsysteme erzeugen Garne mit unterschiedlichen Eigenschaften für verschiedene Endanwendungen.
Überblick über den Spinnprozess
- Öffnen: Öffnen der Ballen, Entfernen von Verunreinigungen und Mischen der Fasern
- Kardieren: Die Karde richtet die Fasern aus, entfernt einen Teil der Kurzfasern und bildet ein Faserband
- Strecken: 6–8 Faserbänder werden zusammengeführt und verstreckt, um Gleichmäßigkeit und Faserparallelität zu verbessern
- Vorgarnherstellung: Leichte Drehung und Verfeinerung des Faserbands zum Vorgarn für den Spinnprozess
- Spinnen: Durch die endgültige Drehung wird das Vorgarn zu Garn versponnen und auf Industriekonen aufgewickelt
- Spulen: Das Garn wird auf Pappkonen gewickelt, von Fehlern gereinigt und für das Weben oder Stricken vorbereitet
Arten von Spinnsystemen
- Ringspinnen: Klassisches Spinnverfahren mit einem breiten Feinheitsbereich von grob bis fein (Ne 6 bis 80). Langsamer, aber für hochwertige Garne für Hemdenstoffe und feine Jerseyware geeignet. Bei Baumwollgarnen weit verbreitet.
- Rotorspinnen (Open-End): Schnell und wirtschaftlich, meist für mittlere bis grobe Garnfeinheiten (Ne 6 bis 30). Die Garne können eine höhere Haarigkeit und geringere Gleichmäßigkeit als Ringgarne aufweisen. Geeignet für Denim, Handtücher und Arbeitskleidung.
- Luftwirbelspinnen (Air-Jet/Vortex): Hochgeschwindigkeitsverfahren, unter anderem für Ne 20 bis 60. Erzeugt glatte, wenig haarige Garne für Hemdenstoffe mit guter Pillingbeständigkeit. Luft umhüllt die Fasern ohne klassische mechanische Drehung.
- Kompaktspinnen: Weiterentwicklung des Ringspinnens mit geringerer Haarigkeit und potenziell höherer Garnfestigkeit. Eingesetzt unter anderem für Ne 30 bis 80 sowie hochwertige Hemden und gekämmte Jerseyware. Die Fasern werden vor dem Verdrehen verdichtet.
- Siro-Spinnen: Zwei Vorgarne werden gleichzeitig zu einem Garn versponnen. Bei Ne 16 bis 40 entstehen feste, wenig haarige Garne, die unter anderem für Kammgarn-Anzugstoffe und Gabardine verwendet werden.
- Kernzwirn-/Kernspinnverfahren: Ein Elastankern wird von einem Baumwollmantel umgeben. Garne im Bereich Ne 20 bis 40 werden für Stretch-Denim und Ponte-Hosen eingesetzt.
Kannen mit Faserband und fertige Garnkonen
Die linke Bildseite zeigt Kannen mit Faserband: große Behälter mit den lockeren Faserbändern nach dem Kardieren und Strecken, bereit für die Vorgarnherstellung. Rechts sind fertige Garnkonen aus Karton zu sehen, auf denen das gedrehte Garn für Web- und Strickmaschinen bereitsteht. Eine feine weiße Trennlinie unterscheidet die Zwischenstufe vom Fertigprodukt.
Welches Spinnsystem für welchen Stoff?
- Feine Hemdenpopeline und Dobby: Kompaktringspinnen oder Luftspinnen, Ne 60 bis 80
- Denim und Canvas: Rotorspinnen, Ne 8 bis 16 – eher haariges und festes Garn
- Jersey für T-Shirts: Ringgesponnenes kardiertes Garn, Standard Ne 30/1
- Gabardine und Köper für Anzugstoffe: Kompakt-Siro-Spinnen, Ne 40 bis 60
- Stretchstoffe: Kernspinngarn mit Elastankern
Qualitätskontrolle
- Uster Tester: Misst Garnungleichmäßigkeit, Dünn- und Dickstellen sowie Nissen
- Garnreiniger: Entfernt Fehler während des Spulens automatisch
- CV der Garnfeinheit: Ein niedriger CV-Wert weist auf eine gleichmäßigere Garnfeinheit hin
- Drehung und Festigkeit werden bei jeder Partie geprüft
